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Das Kreuz

Betreten wir die Sülbecker Kirche, wird unser Blick sogleich von einem den ganzen Raum beherrschenden Kreuz mit einem lebensgroßen Corpus auf die Mitte des Kirchenraumes und der Kirche gelenkt, Jesus Christus, der Gekreuzigte. Dieses Bildwerk ist wahrscheinlich Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden. Man nimmt an, daß es sich hierbei um das Mittelstück einer Kreuzigungsgruppe und um ein Ausstattungsstück der ersten Sülbecker Kirche handelt. Es handelt sich um ein Kunstwerk aus der Zeit der Romantik, denn der Corpus wird am Kreuz mit den Armen in waagerechter Haltung dargestellt, die Füße sind nebeneinander an das Kreuz genagelt.

Das Kreuz in der Kirche in Sülbeck
Später, in der mittleren Gotik, wandelt sich die Auffassung, die Füße wurden dann übereinander gelegt und der Corpus hängt durch, so daß die Arme nicht mehr gestreckt sind. Beim Bau dieses Kirchenschiffes wurde das Kreuz aus unerklärlichen Gründen entfernt.

Fünfzig Jahre hat die Christusfigur in der Uhrenkammer des Turmes unbeachtet gelegen. Wann die Gruppe aus der Kirche entfernt wurde - zur Zeit der Reformation, als die "Bilderstürmer" in einem falschen Eifer manches Kunstwerk zerstörten, oder erst mit dem Abbruch des alten Kirchenschiffes im Jahre 1859 - bleibt ungeklärt. Entdeckt wurde die Figur von Pastor Sprengler, der von 1893 bis 1905 Pastor in Sülbeck war.

Das Kreuz mit dem Altar davon.
Restaurierung

Es dauerte allerdings noch Jahre bis es zur Aufstellung des Kreuzes kam. Erst 1908 faßte der damalige Kirchenvorstand entsprechende Beschlüsse, um den Corpus restaurieren zulassen. Da die Figur stark beschädigt war, es fehlte ein Arm, das Gesicht war gespalten und vom Rumpf getrennt, bekam der Kieler Bildhauer den Auftrag für die Restauration und der Kunstmaler Wilhelm Jensen aus Garding bei St. Peter Ording (Schleswig) vollendete die Arbeiten. Nach einer Untersuchung stellte er fest, daß die Figur bisher dreimal bemalt wurde, wobei keine Bemalung nach 1500 vorgenommen wurde. Um die Neubemalung möglichst in den Ursprungsfarben zu gewährleisten, dienten die ältesten Farbreste als Unterlage für die Neubemalung.

Aus Kostengründen stellte der heimische Tischler Buer ein einfaches Kreuz her.

Das fertige Werk konnte dann am 21. Dezember 1908 in der Kirche aufgestellt und am Heiligen Abend der Gemeinde im Gottesdienst vorgestellt werden. Nach seiner Wiederentdeckung hat das Kreuz dann zum Heiligen Abend 1908 seinen Platz hinter dem Altar bekommen. Es ist mehr als ein Schmuckstück oder eine Zierde, denn es erinnert uns sonntäglich an die stumme Frage unseres Heilandes:

"Das tat ich für dich, was tust du für mich?"
Diese Bildwerke wurden, wie auch die gemalten Bilder, oder die bebilderten Kirchenfenstern "biblia pauperum", das heißt "Bibel der Armen" genannt. Alle Bilder oder Kunstwerke im Raum einer Kirche waren für diejenigen, die damals weder lesen noch schreiben konnten, eine Hilfe für das Verständnis der Biblischen Geschichten gewesen. Durch das Betrachten dieser Bilder konnten sie die Geschichten über Gottes Taten besser verstehen oder vertiefen.