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Gedanken zur Jahreslosung
2005
VON WILFRIED KOCH
Als ich vor einiger Zeit ins Krankenhaus musste, um mich einer Operation zu unterziehen, wünschten mir viele Verwandte, Freunde und Bekannte alles Gute. Einige aber sagten dann noch, ich werde für dich beten.
Dieser Gedanke, dass andere nicht nur an mich denken, sondern sogar für mein Wohlergehen zu Gott beten wollten, gab mir Kraft und Zuversicht.
Daran erinnerte ich mich, als ich die Jahreslosung für das Jahr 2005 las: „Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“ Sie rief mir ins Gedächtnis, dass wir ja alle einen viel größeren Fürsprecher haben, Jesus Christus, der als Hohepriester vor Gott für uns eintritt. Er lässt uns nicht fallen, wie tief wir auch sinken, seine Hand, die uns auffängt, ist schon da, bevor wir fallen.
So wusste er von der Verleugnung Petrus, bevor der auch nur einen Gedanken daran hatte und hat schon Vorkehrung getroffen, dass Petrus dadurch nicht vom Glauben abfällt, indem er für ihn betet.
Zu diesem Petrus sagt Jesus: "Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.“ Er aber sprach: „Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst."
Große Worte werden da von Petrus gesprochen, doch als er sich später an Jesu Voraussage erinnert, geht er hinaus und weint bitterlich und zweifelt an sich selbst und seinen Glauben.
Dass alle Probleme und Prüfungen uns erspart bleiben, ist niemandem verheißen. Denn nicht einmal dem Petrus blieben sie erspart. Wir alle werden in dem Sieb geschüttelt, das die Spreu vom Weizen trennen soll. Und manches Mal drohen wir auch durch die Maschen zu fallen. Der Teufel möchte die Jüngerschar aussieben, durchsieben, auflösen, aufreiben. Nichts soll übrig bleiben als ein kleiner Haufe, der in alle Winde verweht wird. Nichts soll übrig bleiben als eine Jüngerschar, die in alle Richtungen wegläuft und nachher ängstlich hinter verschlossenen Türen hockt. Das wäre ein Ergebnis, das den Teufel befriedigen würde!
Das ist ein eindrucksvolles Bild für die Proben, vor die das Leben uns stellt. Der Versucher als der große Schüttler, der prüft, ob wir durch die Maschen fallen. Dieses Bild zeigt uns - zu leben heißt, auf die Probe gestellt zu werden.
Die Worte aus der Bibel führen uns aber vor Augen, dass das Sieb, mit dem der Versucher uns siebt, nicht nur aus Versagen geknüpft ist, sondern auch aus Krankheit, Leid und Not, wie wir es bei Hiob lesen können und aus Lug und Betrug. Wir alle stehen immer wieder vor Entscheidungen, bei denen wir uns irren können. Noch häufiger gehen wir den falschen Weg, weil es uns an Mut und Zivilcourage fehlt. Wir alle kennen die Versuchung, Vertrauen zu verspielen, Treue aufzukündigen, ein gegebenes Versprechen zu brechen. Die Versuchungen der Macht: Manche Menschen werden dabei unaufrichtig; andere geben den Verlockungen nach und nutzen sie zum eigenen Vorteil aus, statt sie verantwortlich zu gebrauchen.
Solange wir auf der Erde sind, können wir in Prüfungen schwach werden. Das nimmt Satan zum Anlass, uns vor Gott zu verklagen. Doch diese Prüfungen kommen nicht von Gott, sondern von dem Versucher. Aber Gott lässt es wie bei Hiob zu, dass wir geprüft und gesiebt werden, wie der Weizen.
Aber Christus verwendet sich droben in der Herrlichkeit bei Gott für uns. Er gewährt uns auch Hilfe auf unserem Glaubensweg in der Welt, die Ihm feindlich gegenübersteht. Er, der selbst als Mensch auf der Erde gelitten hat, versteht all unseren Kummer und hat Mitleid mit allen unseren Schwachheiten, nicht jedoch mit unseren Sünden, die wir ja selbst hassen und verabscheuen, wenn wir gläubig sind.
Ja, es wird für uns gebetet. Wir fallen nicht durch die Maschen; denn Jesus weiß, dass Versagen, Krankheit, Leid und Not zweifeln lässt. „Warum lässt Gott das zu; warum geschieht gerade mir das; womit habe ich das verdient?“ So fragen wir immer wieder. Und damit aus den zweifelnden Fragen kein Zweifeln an unseren Glauben wird, hat Jesus auch für unseren Glauben gebetet. Denn der Glaube ist nicht unsere eigene Leistung, sondern beruht auf der Fürbitte Jesu.
Die Christen sind darum letztlich kein Verein der besseren Menschen, sondern die auf das Gebet angewiesene Gemeinschaft derer, die um ihre Begrenztheit weiß - aber genau daraus ihre Kraft beziehen.
Das Evangelium um die Jahreslosung will uns zeigen, dass Christus an uns denkt, für uns bittet, uns hält, auch wenn wir tief fallen sollten in Schuld und Versagen, dass Gott den Sündern vergibt, sie sogar beruft und ihnen Großes zutraut.
So wie bei Petrus, der durch das Sieb seiner eigenen Selbsteinschätzung fällt - Jesus verspricht, den Versager nicht fallen zu lassen, für ihn auch künftig da zu sein, seiner verratenen, ins Wanken geratenen Lebensüberzeugung wieder einen festen Grund zu geben. Der Herr hält alle, die da fallen, und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.
"Ich habe für dich gebetet", sagte Jesus zu Petrus, weil der in großer Gefahr war, auf einen verkehrten Weg zu geraten. Niemand soll zweifeln, dass der Herr auch für uns betet. Denn Jesus lebt, er ist da! Er erbarmt sich und vergibt. Sein Wort gilt noch immer, wenn er spricht: "Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen“.
Am Thron der Gnade empfangen wir Barmherzigkeit und finden Gnade zur rechtzeitigen Hilfe. Durch Christus, unseren Hohenpriester, dürfen wir allezeit mit Freimütigkeit in Gottes Gegenwart kommen
Von Wilfried Koch |
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