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Gedanken zur Jahreslosung
2003
VON WILFRIED KOCH
Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz
an. 1. Sam. 16, 17.Der erste Eindruck zählt. Diese „Weisheit“
leben wir in verschiedener Weise. Geht man zu einem Vorstellungsgespräch,
zieht man sich gepflegt an, überlegt sich, was man sagen will
um den „ersten Eindruck“ zu seinen Gunsten zu auszunutzen.
Auch wer auf „Freiers Füßen“ wandelt, benimmt
sich oft ganz anders als sonst, um der/dem Angebetenen zu gefallen.
„Von dem bin ich aber enttäuscht!“, wer hat das nicht
schon gesagt oder empfunden. Hintergrund für solch einen Ausspruch
könnte eine Bekanntschaft sein. Ich habe jemanden kennen gelernt
und war begeistert. Makelloses Aussehen, gutes Benehmen, hervorragende
Allgemeinbildung, ja, ich war begeistert und freute mich, diesen Menschen
kennen gelernt zu haben. Doch nach einiger Zeit merkte ich, meine
Bekanntschaft war nicht die Persönlichkeit, die ich in ihm gesehen
hatte. Seine Einstellung zu den Menschen, zu Gott und zum Leben entspricht
nicht dem, was er vorgab und was ich in ihm gesehen habe. Ich hatte
mich getäuscht!
Aber man kann auch angenehm enttäuscht werden. In einer bestimmten
Situation wird einem oft ein Mensch an die Seite gestellt, bei dem
man im ersten Augenblick zu sich sagt: „Na, was soll ich denn
mit dem anfangen. Mit dem ist doch kein „Staat“ zu machen?
Aber bei solchen Menschen gibt es oft eine angenehme Überraschung.
Sie erweisen sich als klug, verständlich, beherzt, mitfühlend,
hilfsbereit, also als wahre Freunde.
Um solchen menschlichen (Ent)täuschungen entgegenzuwirken, sollten
wir kein Urteil über einen anderen treffen, bevor wir ihn nicht
näher kennen gelernt haben, uns also kein Vorurteil bilden.
Einer Täuschung des „ersten Eindrucks“ erlag auch
der Prophet Samuel, der seinerzeit Saul zum ersten König von
Israel gesalbt hatte. Der dann aber nicht nach Gottes Weisungen lebte
und darum von Gott fallengelassen wurde.
Samuel bekam den Auftrag von Gott: Nicht mehr dem Saul nachzutrauern,
sondern einen neuen König zu salben, den er im Geschlecht des
Isais fände.
Bei diesen angekommen, sah er den ältesten Sohn Isais, Eliab,
eine stattliche Erscheinung und er dachte: „Fürwahr, da
steht vor dem Herrn sein Gesalbter“.. Aber Gott sprach zu Samuel:
„Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe
ihn verworfen. Denn nicht sieht der Herr auf das, worauf ein Mensch
sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das
Herz an.
Auch die anderen Söhne kamen nicht in Frage. Aber den jüngsten
Sohn Isais, an den keiner einen Gedanken verschwendet hatte, der deshalb
auf dem Felde die Herde hütete, der war von Gott auserwählt
worden zum König, er hieß David.
Samuel, obwohl er Prophet war, empfand menschlich, er sah den ersten
Sohn Isais und danach auch die anderen Söhne an, er sah das Äußere
der Menschen an und bildete sich seine Meinung und sein Urteil: „das
ist der von Gott gewollte König“. Doch Gott hielt ihm vor,
dass er wie ein Mensch sah und auswählte. Gott aber schaute in
den Menschen hinein, er sah das Herz des Menschen an und wusste, wer
wirklich zum Amt des Königs taugte.
Nun können wir nicht wie Gott in die Herzen unserer Mitmenschen
schauen, aber wir können unvoreingenommen einen Menschen ansehen
und prüfen, ob er dem entspricht, was er äußerlich
zu sein scheint.
Viel wichtiger für uns ist aber die Aussage, dass wir unserem
Gott nichts vormachen brauchen, denn er sieht auch uns ins Herz. Das
gilt vor allem, wenn ich nicht so eine blendende Erscheinung, kein
Erfolgsmensch bin. Wenn ich arbeitslos bin und immer wieder aus dem
Rahmen herausfalle, in den Menschen mich hineinzuzwängen versuchen.
Auch dann zählt die Botschaft, dass Gott in unser Herz sieht,
dass er sieht, wie wir wirklich sind und ruft uns durch Jesus Christus
zu: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen
sein, ich will euch erquicken“ oder selig sind die, die da geistlich
arm sind, selig sind die Sanftmütigen.., selig sind, die da Leid
tragen….
Gott nimmt mich durch Jesus Christus so an, wie ich bin. Er sagt nicht,
schaffe erstmal Ordnung in deinem Leben, zeige mir, dass du ein gottesfürchtiger
Mensch bist und nach meinen Geboten lebst, nein, er sagt, wenn du
an mich glaubst und deine Sünden zu mir bringst, dann gehörst
du zu mir. Nicht wie der betende Pharisäer im Tempel: „ich
danke dir Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute….oder
auch wie dieser Zöllner“, sondern wie eben dieser Zöllner
in der Ferne des Tempels, der sich an die Brust schlug und ruft: „Gott,
sei mir Sünder gnädig“. Diesen nimmt Gott an, weil
er im Herzen des Zöllners gesehen hatte, dass der es ehrlich
meinte.
Ich brauche mich also vor Gott nicht verstellen und brauche mir keine
Maske aufsetzen um etwas anderes vorzutäuschen. Ich kann vor
Gott kommen und bekennen: „Herr, ich bin vielleicht nicht so,
wie du es dir vorgestellt hast, doch vergib mir und nimm mich an“
bei Gott zählt nicht der äußere Eindruck, sondern
wie es in meinem Herzen aussieht. Ob ich erkenne, dass ich nicht dem
Idealbild entspreche und ob ich an die Erlösungstat Jesu am Kreuz
von Golgatha glaube, der uns zuruft: „Deine Sünden sind
dir vergeben, aber sündige hinfort nicht mehr“.
Auch wenn es mit dem „sündige hinfort nicht mehr“
nicht immer so klappt, nimmt sich Gott immer wieder unser an.
Mag der Mensch sehen, was vor Augen ist, für mich ist wichtig,
dass Gott das sieht, was in meinem Herzen vorgeht und mir gnädig
ist. |
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